25. Juni 2026

Wenn der Ahorn blank zieht ;)
Wenn der Ahorn blank zieht ;)
Wer in diesen Tagen spazieren geht, begegnet unweigerlich einem Phänomen: Einige Bäume ziehen ihr Blattkleid aus und decken damit ihre Füße zu. Es wird Winter. Grund genug, sich mit Laub zu beschäftigen.
Warum Bäume ihr Laub abwerfen
Warum tun Bäume das? Weil man die Bäume nicht fragen kann, müssen wir uns die Frage mit wissenschaftlichen Beobachtungen beantworten. Wie alles Lebendige erneuern sich die Bäume ständig: Zellen sterben ab und werden neu gebildet – wie bei uns Menschen. Eine hundertjährige Eiche besteht im Inneren des Stammes zu 80 Prozent aus abgestorbenen Zellen. Der Stamm bildet jedes Jahr neue Zellen an der äußeren Schicht des Stammes und wird dadurch dicker. Die Zellen im Inneren sterben und dienen der Statik des Baumes.
Auch die Blätter müssen erneuert werden. Nach einem, spätestens nach fünf Jahren, sind die Blätter am Baum „abgenutzt" und müssen getauscht werden. Blätter sind Kraftwerke, sie produzieren aus Sonnenlicht und Luft Energie zum Wachsen der Bäume. Alle Pflanzen tauschen ihre „Verschleißteile": Stauden lassen den gesamten oberirdischen Teil absterben und überwintern in der Wurzel, Nadelbäume und Pflanzen in den Tropen machen das im laufenden Betrieb und sehen immergrün aus, Laubbäume wechseln jeden Winter das komplette Laub.
Laub ist eine Rohstoffmine für das Bodenleben

Die Blätter sind nicht nur Kraftwerke für den Baum, sondern auch Rohstoffminen für viele kleine Lebewesen, die es kaum abwarten können, bis das Laub auf der Erde liegt. Manche Pilze fangen schon auf dem Baum an, die Blätter zu verwerten. Das ist auch der Grund, warum unsere Wälder nicht meterdick im Laub versinken, obwohl jedes Jahr eine neue Schicht Laub auf den Boden fällt. Im Frühling ist alles vom Erdboden verschluckt. Das Vorjahreslaub ist jetzt von Fantastilliarden kleinster Bodenlebewesen in Moleküle zerlegt – beste Nahrung für die Bäume. Und der Kreislauf beginnt von Neuem.
Warum der Kreislauf im Garten oft stockt
Pflanzt man einen Waldbaum in eine künstliche Umgebung, kann dieser Kreislauf nicht funktionieren. Die Baumfüße, die Wurzel, sind mit Asphalt, Zierrasen oder Beet bedeckt. Das ist der Grund, warum Baumbesitzer das Laub oft als „Dreck" bezeichnen.
„Herr Janzen, fällen Sie diesen Baum!"
„Warum?"
„Er macht Dreck."
„Meinen Sie Laub?"
„Ja, den Laubdreck."
Artgerechte Baumhaltung: Laub einfach liegen lassen
Artgerechte Baumhaltung setzt voraus, dass der Baum sich seinen Wurzelbereich für den Winter mit Laub zudecken kann – daher ist es das Beste, wenn man das Laub einfach unter dem Baum liegen lässt. Mein Tipp für Bäume, die in einer Rasenfläche stehen: Damit das Laub schneller von den Bodentierchen in Nährstoffe verwandelt werden kann, kannst du es mit einem Rasenmäher mit Mulchfunktion zerkleinern. Das beschleunigt den Prozess wesentlich.
Was du sonst mit Laub anfangen kannst

Kann das Laub nicht liegen bleiben, gibt es dafür vielerlei Verwendung im Garten. Laub ist „wie gemacht" für Kompostierung. Selbst Eichen- und Walnusslaub bilden ausgezeichneten Naturdünger, der, besonders auf unserem nährstoffarmen Senneboden, deinen Gartenpflanzen guttut.
Laub eignet sich super als Mulch. Einfach die Staudenbeete damit abdecken. Man schlägt damit sogar drei Blätter mit einem Rechen: Das Laub ist aufgeräumt, die Blumen bekommen Dünger und das Unkraut wird unterdrückt.
Bitte nicht: Laub in den Wald bringen
Das Laub in den benachbarten Wald zu bringen, ist eine schlechte Idee. Das ist ein Eingriff in den Nährstoffkreislauf des Waldes, und viel zu oft kommen waldfremde Stoffe mit, wie Plastik oder Samen von Pflanzen, die nicht in die Natur gehören.
Was auch immer du mit deinem Laub machst – denk bunt!
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